Die Entstehung der Gärten – eine Chronik

10 Jahre Trauttmansdorff

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff feierten im Juni 2011 ihren zehnten Geburtstag. An sich ist das ein überschaubarer Zeitraum für einen botanischen Garten; doch wer im 21. Jahrhundert eine Einrichtung dieser Art zum Leben erweckt, wird besondere Maßstäbe setzen und sich an einer kreativen Vorstellung orientieren, die eben diese Zeit vorgibt. Dass es den Gärten von Schloss Trauttmansdorff in den letzten zehn Jahren gelungen ist, mit viel Liebe zum Detail einen zeitgemäßen, lebendigen, innovativen und attraktiven Garten zu gestalten, unterstreicht allein schon die große Anzahl begeisterter BesucherInnen aus dem In- und Ausland.

Proklamiert wurde das Projekt im Jahre 1988 vor dem Schlosstor durch den späteren Landeshauptmann Luis Durnwalder, den Meraner Bürgermeister Franz Alber, den Projektanten Manfred Ebner, den späteren Direktor der Gärten Klaus Platter sowie durch den Journalisten Robert Asam.

1994 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der Anlage. Es erforderte sieben Jahre Bauzeit, in denen das gesamte Terrain einschließlich der Terrassen und Wasserläufe neu gestaltet wurde; erst dann wurden die Gärten von Schloss Trauttmansdorff öffentlich zugänglich gemacht.

An der Gestaltung der mehr als 80 Gartenlandschaften beteiligten sich LandschaftsplanerInnen sowie -architektinnen und -architekten aus ganz Europa und sogar aus Japan; auch das starke Team vor Ort brachte viele Ideen ein. Um gleich zum Auftakt einen „gewachsenen“ Garten präsentieren zu können, pflanzte das Trauttmansdorff-Team auch groß gewachsene Sträucher und Bäume.

Besinnt man sich auf die Beweggründe, in Meran einen botanischen Garten zu errichten, dann bilden die Gärten von Schloss Trauttmansdorff gewissermaßen die Krönung einer langen Tradition: Die Gartenstadt Meran beeindruckt nämlich schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer beinahe singulären pflanzlichen Vielfalt: Dank des vorteilhaften Klimas mischt sich Heimisches mit Exotischem. Speziell die Hänge rund um das Schloss, die in verschiedene Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, bieten fantastische Möglichkeiten, mit Pflanzen zu experimentieren und zugleich atemraubende Ein- und Ausblicke zu kreieren.

So gehen charakteristische Landschaften aus verschiedensten Ländern der Erde fließend über in sonnige Hänge mit mediterranem Flair. Exotische Pflanzen, die es in Mittel- und Nordeuropa sonst nur in Gewächshäusern zu sehen gibt, sind im Freien gepflanzt.

In das Bild einer bunten pflanzlichen Vielfalt mit jahreszeitlich wechselnden Blühhöhepunkten mischen sich künstlerische Elemente, Pavillons, die Vorgänge in der Natur interpretieren und darstellen. Außerdem machen Sinnesstationen die Natur zu einem begreifbaren Erlebnis.

Trauttmansdorff bietet damit alles, um von Anfang an als ein etwas anderer botanischer Garten wahrgenommen zu werden.

Eine kleine Reise durch die vergangenen Jahre:

2001

Am 16. Juni 2001 war es soweit: Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff öffneten ihre Tore und lockten in der ersten Saison bereits 120.000 neugierige BesucherInnen an.

Schloss Trauttmansdorff

2002

Bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens gelang es den Gärten, die aufgrund der hohen Errichtungskosten unter erheblichem Erfolgsdruck standen, mit den Eintrittsgeldern die laufenden Ausgaben zu decken! Am 27. Juni bespielten Arto Tunçboyaciyan & The Armenian Navy Band die erste Gartennacht am Seerosenteich; sie leiteten damit eine Veranstaltungsreihe ein, die jeden Sommer zahlreiche Gäste in die Gärten lockt und mittlerweile zu den renommiertesten World-Music-Festivals Italiens zählt.

Gartennaechte

2003

Mit der Eröffnung des Touriseums am 15. März 2003 wurden auch die historischen Räumlichkeiten von Schloss Trauttmansdorff einer neuen Bestimmung zugeführt: Sie beherbergen ein Landesmuseum, das sich auf vergnügliche Weise mit 200 Jahren Tourismusgeschichte im Alpenraum befasst und unkonventionell aufbereitete und lehrreiche Inhalte vermittelt. Seither finden Sonderausstellungen statt, die abwechselnd einen tourismusgeschichtlichen und einen botanischen Schwerpunkt haben.

Im selben Jahr wurde eine Reihe von Projekten realisiert:

  • die Fertigstellung und strukturelle Verbesserungen der Anlage
  • ein eigens ausgeschilderte „Sissi-Weg“, der die Gärten mit dem Zentrum der Kurstadt Meran verbindet
  • das Ticket „Gletscher & Palmen“ wurde konzipiert
  • Familiensonntage sprachen erstmals gezielt ein jüngeres Publikum an

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff feierten noch im selben Jahr, am 25. Mai, ihren 500.000sten Gast.

Touriseum Sissi

2004

In diesem Jahr wurde das Eingangsgebäude, so wie es sich heute präsentiert, als Klimahaus B fertiggestellt. Außerdem wurden die „Blühenden Lehmwände“ angelegt – ein aufwendig bepflanzter Steilhang, der im Herbst vor der Eröffnung der Gärten von wetterbedingten Hangrutschungen betroffen war.

Erstmals fand der „Tag der Chöre“ mit rund 20 Gesangsgruppen aus ganz Südtirol statt, vier Jahre später unternahmen 200 SchülerInnen in 22 Ensembles der Musikschule Meran einen achtstündigen „musikalischen Rundgang“ durch die Gärten.

Tag der Choere

2005

Am 2. Juli 2005 hießen die Gärten ihren 1.000.000sten Besucher willkommen.

Im Flaumeichenwald wurde eine binokelförmige Aussichtsplattform – der Matteo Thun’sche Gucker – aufgebaut. Dazu gesellten sich nach und nach weitere Erlebnisstationen und Gartenbereiche wie das geologische Mosaik und das große Bienenhaus.

Aufgrund seiner Vielfalt und seiner innovativen Gestaltung als Erlebnisort erhielt Trauttmansdorff die begehrte Auszeichnung „Schönster Garten Italiens 2005“.

Im Laufe der Jahre entstanden verschiedenste Kooperationen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene: so etwa mit dem Südtiroler Bauernbund und der Südtiroler Gärtnervereinigung sowie mit verschiedenen Partnern im Tourismussektor; aber auch mit der nationalen Vereinigung „Grandi Giardini Italiani“, die sich um das grüne Erbe Italiens verdient macht; oder mit der europäischen Kulturroute „Sissi-Straße“: Die österreichische Kaiserin logierte nämlich zweimal in Schloss Trauttmansdorff, ließ dort Spazierwege anlegen und begeistert heute als Kultfigur insbesondere Gäste aus dem italienischsprachigen Raum. Die Marke „Sissi“ hat sich auch in der Bezeichnung der Gärten verankert: In Italien wird die Anlage als „I Giardini di Sissi a Castel Trauttmansdorff“ bezeichnet.

Matteo Thunsche Gucker

2006

Nur ein Jahr nach der Auszeichnung „Schönster Garten Italiens“ folgte der sechste Platz unter nominierten Gärten aus ganz Europa.

Das Jubiläum „5 Jahre Trauttmansdorff“ wurde 2006 gebührend mit einem über die gesamte Gartensaison sich erstreckenden, vielfältigen Veranstaltungsprogramm gefeiert; getreu dem Credo „Gärten in Bewegung“ überrascht Trauttmansdorff seither laufend mit neuen Erlebnisstationen und Veranstaltungshighlights, welche die Botanik mit Musik und Kulinarik verbinden. So fand 2006 erstmals das mittlerweile traditionelle „Frühstück bei Sissi“ statt, ein beliebter sonntäglicher Brunch auf der historischen Sissi-Terrasse. Die „Gartennächte“ wurden mit dem Slogan – World-Music vom Feinsten – weitergeführt. Neben der ersten hausintern konzipierten botanischen Ausstellung „Mythos Ginkgo“ wurde auch ein dreisprachiger Bildband „Trauttmansdorff – Die Gärten | I Giardini | The Gardens“ präsentiert. Als Rahmenprogramm der Fünf-Jahres-Feier gastierte die Ausstellung „Skulpturen im Olivenbaum“ in den Gärten. Dabei schuf der Künstler Gianfranco Timossi 3 m hohe und 1,5 t schwere Allegorien zu den Gesängen der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri. Die Besucherzahlen waren kontinuierlich angestiegen, und zwar auf mittlerweile 370.000 Personen pro Saison. Und der „botanische Garten“ von Meran sollte nun mehr und mehr zur Marke „Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff“ werden.

Ausstellung „Mythos Ginkgo“

2007–2009

Im Herbst 2007 begrüßten die Gärten ihren 2.000.000sten Gast.

Neue Pflanzensammlungen waren die italienweit größte, öffentlich zugängliche Salbeisammlung und eine umfangreiche Hortensiensammlung. Das Schaufenster Alpenzoo (2007) und der „Verbotene Garten (2008) wurden eröffnet.

Auch dem Erhalten botanischer Raritäten haben sich die Gärten von Schloss Trauttmansdorff verschrieben: Hierzu zählen das „lebende Fossil“ Wollemia nobilis, der 700-jährige Olivenbaum und die Patenschaft über die größte und wohl auch älteste Rebe der Welt auf Schloss Katzenzungen in Tisens-Prissian.

 

Kurioses rund um die Botanik und Geschichte sowie Rekorde einer der vielseitigsten Pflanzen der Welt präsentierte 2008 die Sonderausstellung Alles Palme!“. 2009 löste Landeshauptmann Luis Durnwalder auch sein Versprechen ein, die Gärten einen Tag lang speziell für Menschen mit Behinderung zu öffnen. Diese Initiative hat sich aufgrund des großen Zuspruchs mittlerweile als jährlicher Fixpunkt etabliert; neue Verbindungswege machten die Gärten zunehmend barrierefrei und noch kinderwagenfreundlicher. In der Therme Meran fanden die Gärten einen weiteren wichtigen Kooperationspartner und konzipierten das Ticket „Gärten & Therme“.

Das Team der GartenführerInnen wurde auf insgesamt 21 Personen erweitert. Eine Führung durch die Gärten kann seither in vier Sprachen gebucht werden. 2008 wurde die kontinuierliche Optimierung des Services mit Infopoint und einem überarbeiteten Leitsystem angegangen. Das Paket „Gärten & Wein“ als drittes Südtirol-Erlebnispaket wird in Zusammenarbeit mit Schloss Katzenzungen angeboten.

Im Laufe des Jahres 2009 stellten die Gärten, die sich auch dem Erhalt alter Rebsorten widmen, ein Tabernaculum vor, das die ältesten Traubenkerne Südtirols und der Welt zeigt. Zum Auftakt der Gartensaison 2009 wurde in den Gärten die erste Tulpe Südtirols auf den Namen Tulipa ‘Trauttmansdorff’ getauft; sie begründet das Trauttmansdorff-Pflanzensortiment.

Tabernaculum

2010

Begleitend zur Sonderausstellung „Himmlische Düfte und Höllengestank!“ und ihren Schauplätzen im Garten boten die Gärten von Schloss Trauttmansdorff ein besonders umfangreiches und vielseitig konzipiertes Rahmenprogramm: Wissensvermittlung bei spannenden Vorträgen renommierter Referentinnen und Referenten, Duftspaziergänge und -führungen sowie eigens kreierte Duftmenüs im Restaurant und im Café. Im August betrat der 3.000.000ste Gast die Gärten von Schloss Trauttmansdorff; insgesamt besuchten allein in der Gartensaison 2010 412.000 Personen die Gärten und toppten damit ein weiteres Mal die Besucherrekorde der vorangegangenen Jahre.

Duftmenue

2011

Die Gärten feierten ihr zehnjähriges Bestehen mit einem mannigfaltigen Programm, in dem insbesondere die Eröffnung einer neuen Gartenattraktion hervortrat: die „Botanische Unterwelt“, die alles pflanzliche Leben auf schaurig-spannende Weise buchstäblich an der Wurzel packt. Der Gartencocktail wird von der Veranstaltungsreihe „Trauttmansdorff nach Feierabend“ abgelöst. Dies ermöglichen freitags im Juni, Juli und August die neuen Öffnungszeiten bis 23 Uhr. Ab Juni finden dienstags spezielle Familienführungen statt.

Ein umfassender Gartenführer mit zielgruppenspezifisch aufbereiteten Inhalten und eine Fuchsientaufe im Rahmen der Neugründung eines Südtiroler Fuchsien-Freundeskreises runden das Jubiläumsprogramm ab.

Botanische Unterwelt