Oktober 2015

Präsentation der Studie zur Blütenbesucherfauna  - 28.10.15

Die Sonderausstellung 2014 „Blümchensex? Eine botanische Aufklärung“ war Anlass, die Blütenbesucher der Gärten von Schloss Trauttmansdorff näher zu untersuchen, die vielfältige Bestäuberfauna festzustellen und die Bedeutung von Gärten als Überlebensraum für Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber zu erforschen. Die Ergebnisse der ersten wissenschaftlichen Studie der Gärten von Schloss Trauttmansdorff, durchgeführt vom Nordtiroler Entomologen Mag. Timo Kopf, wurden am Mittwoch 28. Oktober präsentiert:

Die Gärten leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

2013 bis 2014 hat der Nordtiroler Entomologe Mag. Timo Kopf im Auftrag der Gärten von Schloss Trauttmansdorff die Bestäuberfauna derselben untersucht. Ausgehend von der Situation einer zunehmenden intensiven Nutzung von Flächen für die Landwirtschaft, den Verlust von Flächen an Siedlungs- und Straßenbau, Flussregulierungen und dem Einsatz von Pestiziden und Düngern, war es Ziel der Studie herauszufinden, inwieweit die Gärten von Schloss Trauttmansdorff als Refugium für bedrohte heimische Tierarten fungieren

In 12 Tagesexkursionen wurden 356 Einzelproben gesammelt, die 3652 Individuen umfassten und 344 verschiedenen Arten bzw. Taxa zugeordnet werden konnten. Das umfangreiche Artenspektrum beinhaltet auch zahlreiche anspruchsvolle und aus Südtirol nur wenig bis noch gar nicht bekannte Spezies. „Erstmals für Südtirol erwähnt werden konnte z.B. ein Schmetterling aus der Familie der Spreizflügelfalter und eine Biene, mit dem Vulgärnamen Glockenblumen-Sandbiene“, berichtet Mag. Timo Kopf.

 Die Auswertung der Individuen- und Artenzahlen ließ zudem erkennen, dass einzelne Abschnitte in den Gärten unterschiedlich geeignet sind, viele Arten in starken Populationen zu beherbergen. Besonders hervorzuheben sind dabei die naturnahen Habitate im Bereich des Flaumeichenwaldes mit seinen Felsrasen und Seeufern. Mit 190 Spezies, davon 76 Bienenarten, sind hier über 50 % des Gesamtartenspektrums und fast 70 % der lokalen Bienenfauna zu finden. Dies erklärt sich für den Entomologen durch die starke Einbindung der heimischen Flora in die Gartenanlage und die stabile Bepflanzung im Großteil des Gartenareals. So können auch nicht einheimische Pflanzen für die lokale Fauna Nahrung und Lebensraum bieten. 

 „Die Ergebnisse dieser ersten wissenschaftlichen Untersuchung in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff sind für uns eine wichtige Grundlage für unsere Rolle als Vermittler der Pflanzenwelt und ihren Beziehungen und Abhängigkeiten zur und von der Tierwelt und letztlich auch des Menschen. Schulklassen, Einheimische wie Gäste sollen hier die Artenvielfalt kennenlernen und die Bedeutung der heimischen Biodiversität und deren Erhalt verstehen lernen. Die BesucherInnen sollen in den Gärten mit ihren vielfältigen rekonstruierten Naturlandschaften aber auch Anreize gewinnen, um im eigenen Garten heimischen Pflanzen und Tieren mehr Platz zu gewähren, denn Wechselbeete mit gefülltblütigen Pflanzen bieten Insekten keine Nahrung.“, erklärt Karin Kompatscher, die als Kuratorin der Gärten die Studie betreut hat. Sie ist überzeugt dass es noch vieles zu entdecken gibt. „Der Garten entwickelt sich und es sind sicher noch nicht alle Insekten, die hier potentiellen Lebensraum vorfinden, angekommen. Diese Grundlagenstudie soll uns Ansporn sein, die Insektenwelt der Gärten weiterhin zu erforschen. Um Natur zu bewahren, müssen wir sie kennen, schön, dass die Gärten auch zum Erhalt der lokalen Biodiversität beitragen.“

 „Die vorgestellte Studie zeigt, dass dem ökologischen Ausgleich zukünftig auch in der Landwirtschaft vermehrt Raum gegeben werden muss“, fasst Landesrat Arnold Schuler zusammen. „Gerade die stark vom Apfelanbau gekennzeichnete Südtiroler Landwirtschaft muss lernen, der autochthonen Fauna und Flora wieder mehr Lebensraum zu bieten. Ein erster Schritt wurde mit der Unterzeichnung des Europäischen Memorandums zur Verankerung des ökologischen Grundgedankens und dem zeitgleichen Beitritt zum Netzwerk „Natur im Garten" getan. Die heute präsentierten Ergebnisse bieten eine weitere Grundlage für die Beratung und Ausbildung von Fachleuten in der Landwirtschaft wie auch Hobbygärtnerinnen und -gärtnern“.

 Die wissenschaftliche Untersuchung, durchgeführt von Mag. Timo Kopf, wurde von Dr. Rudolf Hofer, langjähriger Ao.Univ.-Professor am Institut für Zoologie und Limnologie der Universität Innsbruck, fotografisch dokumentiert. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit den Gärten von Schloss Trauttmansdorff mit den Bildern ein Kalender produziert, welcher in Kürze auch im Handel erhältlich sein wird.

Präsentation der Studie zur BlütenbesucherfaunaPräsentation der Studie zur BlütenbesucherfaunaPräsentation der Studie zur Blütenbesucherfauna