Der Olivenbaum

12/11/2023
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff
Der knorrige Stamm, die silbrigen Blätter und die appetitlichen Früchte: Der Olivenbaum bildet gemeinsam mit Zypressen und Zitrusgewächsen das mediterrane Dreigestirn.
Ölbäume zählen zu den ältesten Kultur- und Charakterpflanzen des Mittelmeergebietes. Bereits Ägypter, Griechen und Römer verwendeten Öl und Holz der Olivenbäume und bis heute werden sie intensiv genutzt. Olivenbäume können ein beträchtliches Alter erreichen, das älteste bekannte Exemplar steht auf Kreta und soll geschätzte 4.000 Jahre alt sein. Der Olivenzweig ist Symbol für Frieden, neues Leben und Hoffnung. Olivenbäume sind enorm vital, sie bilden auch dann noch neue Äste, wenn das Stamminnere abgestorben und hohl ist. Je älter Ölbäume werden, desto attraktiver werden sie, denn erst mit dem Alter bildet sich der charakteristische, knorrig verdrehte Stamm mit Rissen und Hohlräumen heraus. Über die Jahre und Jahrhunderte wachsen so bis zu zehn Meter hohe Bäume mit oft monumentalem Erscheinungsbild heran. Hinzu kommen die dekorativen silbrig-weißen Blätter, die man sonst kaum bei immergrünen Fruchtbäumen findet. Olivenbäume blühen ab Ende Mai gelblich weiß und unscheinbar, die Blüten duften aber angenehm.

Standort und Pflege

Olivenbäume brauchen viel Licht und wenig Niederschlag. Sie sind empfindlich gegen hohe Luftfeuchtigkeit und Staunässe und wachsen am liebsten auf trockenem, steinigem, kalkhaltigem Untergrund. Die nördliche Anbaugrenze für Olivenkulturen liegt in Italien am Gardasee und in Meran. Frostschäden an den Blättern entstehen bereits ab -10 °C, unter -14 °C erfroren in einer Studie am Gardasee die Blätter irreversibel. Für Blüten- und Fruchtansatz braucht es mindestens 15 °C, für die Fruchtentwicklung sind mittlere Temperaturen um 20 °C nötig. In kühleren Klimaten kann man den Olivenbaum daher nur als Kübelpflanze halten. Die Überwinterung soll wie bei den meisten immergrünen Pflanzen hell und kühl erfolgen, gegossen wird nur mäßig. Der Olivenbaum ist eine robuste Pflanze, im Kübel gehalten ist aber eine organische Düngung im Frühjahr ratsam. Mögliche Schädlinge sind Schildläuse, Dickmaulrüssler und Wiesenschaum-zikaden, in Olivenkulturen im Mittelmeerraum sind Krankheiten wie Olivenkrebs und Feuerbakterium gefürchtet. Augenfleckenkrankheit kann bei Überkopfbewässerung oder langen Regenperioden auftreten. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit ist der Olivenbaum auch für andere Pilzerkrankungen anfällig. Darauf ist insbesondere bei der Überwinterung zu achten. Alle zwei Jahre ist zudem ein kräftiger Rückschnitt im Februar oder März erforderlich.

Standort:

sonnig

Wasserbedarf:

gering bis mäßig

Winterhärte:

frostresistent bis -10 °C

Wuchshöhe:

bis 10 m

Blüte/Attraktivitätszeitpunkt:

V-VI

Erntezeit:

X-XII

Unser Olivenhain

In Trauttmansdorff steht der nördlichste Olivenhain Italiens, mit 20 Bäumen in südexponierter Lage, direkt unter der Schlossmauer. Bis Juni ragen die Olivenbäume aus einem mit rotem Mohn gesprenkelten Kornfeld, ab Juli dann aus einem Meer von Sonnenblumen. Diese Bäume der besonders frostresistenten Sorte 'Frantoio' kamen etwa 50-jährig aus Arco am Gardasee. Sie wurden 1996 gepflanzt und waren die ersten Pflanzen im neu entstehenden Botanischen Garten. Jahr für Jahr werden seitdem rund 100 Kilogramm Oliven in Trauttmansdorff geerntet und daraus zehn Liter Olivenöl gewonnen. Ein sattes Gelbgrün und ein intensiver Duft nach Oliven, grünen Mandeln und Artischocken sowie ein zartbitterer Beigeschmack bestimmen den fruchtig-frischen Charakter des Trauttmansdorffer Olivenöls.

Verwendung

Die Steinfrüchte reifen innerhalb von vier bis sechs Monaten und sind zwischen Oktober und Dezember reif. Sie variieren farblich von grün bis blau-schwarz, je nach Sorte und Reifestadium. Einem Jahr mit reichem Fruchtbesatz folgt stets ein Jahr mit schwachem (Alternanz). Die Früchte schmecken roh bitter und müssen vor dem Verzehr eingelegt werden oder sie werden zu Öl gepresst, wobei 100 Kilogramm Früchte rund 15 Liter Olivenöl ergeben. Die höchste Qualität hat kalt gepresstes natives Olivenöl „extra vergine".

Unser Olivenbaum

Der knorrige Olivenbaum aus Sardinien, dessen Alter mittels dendrochronologischer Analyse auf 500 bis 700 Jahre bestimmt wurde, ist eine besondere Attraktion in den Gärten. Wegen seines Gewichtes von fast sechst Tonnen musste eigens ein Anhänger gebaut werden, um ihn über die schmalen Wege an seinen jetzigen Standort zu bringen.