V - Von München nach Meran
Ausstellung im Foyer "Architektur auf Reisen"
Architektur als „Geschmacksverstärker“ mit Palmen und Orangenbäumchen.
Meran und Bozen, die zwei tourismus- und wirtschaftsmächtigen Städte Südtirols, verdanken ihren Wandel von eher ländlich geprägten Ballungsräumen zu urbanen Zentren dem Architekturtransfer von Norden nach Süden. Beide bewahrten zwar ihre mittelalterlichen Ortskerne, das Umfeld ihrer dicht bebauten Gassen entwickelte sich aber auf unterschiedliche Weise. Während in Bozen Architekten aus Deutschland und insbesondere Bayern das Stadtbild prägten, hielten in Meran Einflüsse aus München und Wien relativ parallel Einzug.
In Meran kam es im Lauf der Etablierung des Kurwesens zuerst zu einem Architekturtransfer aus Wien. Mit den Aufenthalten von Mitgliedern aus dem Haus Habsburg, unter anderem denen von Kaiserin Elisabeth I. (1837–1898) in den Jahren 1870 und 1889 in Schloss Trauttmandorff, gingen völlig neuartige Werbeeffekte einher. Parallel entstand auch ein Markt für eine „imperiale Architektursprache“. Für Reklamezwecke hergestellte Bilder setzten sich in der Folge aus Elementen zusammen, die zugleich für die klimatischen Bedingungen im Ort und den gesellschaftlichen Rang der Stadt standen. In ihrem Rahmen wurde Architektur wie ein „Geschmacksverstärker“ eingesetzt. Das zeigt sich z. B. an Postkarten mit der von südländischen Pflanzen wie Palmen und Orangenbäumchen gesäumten Kurpromenade am Fluss Passer vor dem Hintergrund des sinnbildlich die Vormachtstellung der österreichischen Monarchie repräsentierenden Kurhauses.
Bettina Schlorhaufer
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