VI - Bleibende Gäste – privates Bauen für einen gehobenen Lebensstil

Ausstellung im Foyer "Architektur auf Reisen"

02/09/2026 - 08/11/2026 Architektur auf Reisen
Touriseum
Der Gesundheitstourismus verändert das Stadtbild Merans.
Der Gesundheitstourismus führte zu wesentlichen Veränderungen im Stadtbild Merans, wobei nicht nur neuere Bautypen wie Hotels, speziell Groß- oder Grandhotels, markante Spuren hinterließen. Das von Zeitgenossen auch als „Koloss“ bezeichnete Grandhotel Meranerhof etwa dominierte die Silhouette der Stadt derart, dass seine Beseitigung aus dem Stadtzentrum (heute: Therme Meran) einen Befreiungsschlag darstellte. In Verbindung mit dem Bautyp des Hotels existiert zudem das große Missverständnis, dass man mit ihm hohen Komfort und Luxus verbindet, den er seinen temporären Bewohnern damals tatsächlich nicht bot. Für heutige Verhältnisse waren die Zimmer in der Frühzeit der Hotellerie spartanisch eingerichtet. Zudem wurden sie von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten bezogen, was eine soziale Abgrenzung nur eingeschränkt ermöglichte. Im Hotel stieg man daher nur ab, wenn es sich nicht vermeiden ließ. 
Dauergäste, die wie in Meran oft wochenlang zur Kur weilten, suchten sich daher lieber eine private Unterkunft. Das zog nach sich, dass vor allem in der damaligen Nachbargemeinde Mais ehemalige landwirtschaftliche Güter parzelliert und für den entstandenen Bedarf mit Wohnhäusern und Villen bebaut wurden. Der gestalterische Anspruch an diese Unterkünfte war groß. Das veranlasste gut ausgebildete Architekten, die häufig die Hochschulen in Wien oder München besucht hatten, nach Meran zu übersiedeln. Zu den bekanntesten unter ihnen zählten Karl Moeser (1837–1888), der in Wien studiert hatte, und Franz Lewy Hoffmann (1851–1917), ein Absolvent der Hochschulen Dresden und München. Andere Architekten aus der bayerischen Hauptstadt wie die Brüder Ludwig oder Emanuel von Seidl (1856–1919, ab 1906 Ritter von Seidel) „reisten“ zusammen mit ihren Bauherren nach Meran, verwirklichten hier aber nur je ein Objekt. 
Um 1900 gestaltete Emanuel von Seidl Entwürfe für die Villa Erhard am Winkelweg. Der Bau erweckt mit seinen von großen Voluten flankierten Giebeln und dem Türmchen den Eindruck eines barockisierenden Gartenschlösschens. Die Villa Salgart der Brüder Ludwig wird am Beginn des Katalogteils in dieser Publikation besprochen. Beide Wohnsitze wurden von der lokalen Baufirma Musch & Lun erbaut, die über besonders gute Verbindungen nach München verfügte und damit am Architekturtransfer von dort nach Meran wesentlich beteiligt war. Davon, dass sich Architektur nicht nur gestalterisch „auf Reisen“ begibt, sondern mit ihr auch Politik, Macht und Einfluss über Territorien in ein Land wie Südtirol gelangten, handelt die Sonderausstellung im Touriseum 2026.
Bettina Schlorhaufer 
Im nächsten Monat erfahren Sie Spannendes über: 

Das Palasthotel Wielandhof in Gossensass