VII - Das Palasthotel Wielandhof in Gossensass, 1910 - 1912

Ausstellung im Foyer "Architektur auf Reisen"

05/10/2026 - 08/11/2026 Architektur auf Reisen
Touriseum
Vom Bauernhaus zum Palasthotel.
Auftraggeber der Brüder Ludwig war die Familie Gröbner, die in Gossensass neben einem Grandhotel und einer Brauerei auch eine Landwirtschaft besaß. Ihre Betriebe profitierten vom Verkehr über den Brennerpass, insbesondere ab der Eröffnung der Eisenbahn 1867. Laufend modernisierten sie ihre Häuser, kauften Grundstücke und investierten in Neubauten. Im Alpenraum richtete man in vielen Bauernhäusern Gästezimmer ein. Wurden die Höfe zu klein, vergrößerte man sie und verbesserte das Angebot. In mehreren Umbauphasen verwandelten sie sich in Hotelpaläste – ein Zeichen für die zunehmende Spezialisierung im Tourismus. 
Durch den Bau von Grandhotels in so beschaulichen Alpendörfern wie Gossensass wollte man an internationale Trends anschließen. Das dazu nötige Fachwissen brachten Architekten wie die Brüder Ludwig aus Metropolen wie München mit. Ein Beispiel dafür ist das Palasthotel Wielandhof, das heute unter Denkmalschutz steht. 
In ihrem Bauernhof brachte die Familie Gröbner Gäste unter. Bald war er zu klein und wurde verlängert.  Wenige Jahre später erbauten die Besitzer getrennt davon eine Herberge mit Restaurant. Hier verpflegten sie vor allem mit der Brennerbahn angereiste Ausflügler. Später erweiterten sie auch dieses Gebäude und stockten es auf. Schließlich entschieden sich die Gröbners, den Betrieb ganz zu erneuern, und beauftragten die Brüder Ludwig mit der Planung des Palasthotels. Die älteren Bauteile verschwanden oder gingen im Neubau auf.
Die Palasthotels der Belle Époque wurden in erstaunlicher Geschwindigkeit errichtet, weil viele Arbeitskräfte zur Verfügung standen und die Löhne niedrig waren. Die Bauzeit des Wielandhofs betrug nur ca. 20 Monate.
Bettina Schlorhaufer 
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