Architektur. Reisen. Politik.
Ausstellung im Foyer "Architektur auf Reisen"
„Nicht alle Reisenden laufen auf Wegen.“
Aus einem Gedicht von Conceição Evaristo
Es gibt unterschiedliche Motive, warum Menschen auf Reisen gehen: Kur oder Sommerfrische, Familienbesuche oder Geschäfte, zum Vergnügen oder aus Notwendigkeit. Früher waren die Wege beschwerlich und die Gelegenheiten, die entlang der Routen Komfort versprachen, selten. Das änderte sich erst ab dem Einzug neuer Technologien in Transport und Beherbergung. Anders als der physische Transport von Personen läuft der Transfer „nicht immer auf Wegen“. Transferiert werden Gelder und Waren, geistige Güter und Einfluss.
Wie wir wissen, wohnt dem Tourismus die Kraft inne, Territorien zu erobern. Er trägt zu Veränderungen bei und bringt im besten Fall Wohlstand und Prosperität. Unzählige Beispiele in der Geschichte zeugen aber auch vom Transfer von Macht. Politische Autorität wurde nicht nur in Gestalt von Gewalt oder Gesetz übertragen, sondern symbolisch zur Wirksamkeit gebracht. Und welche Zeichen hätten sich besser dazu geeignet als die der Architektur – jenes Mediums, das sich schon alleine durch Masse ausdrückt und selbst subtile Botschaften von formalen Gesten bis hin zu feinen Dekorationen zu vermitteln weiß?
„Architektur auf Reisen“ steht als Titel und zugleich als Bild über der kaum trennbaren Verbindung von Architektur und Macht, Politik und Wirtschaft – hier am Beispiel der Belle Époque in Bozen und Meran. Eine Bauproduktion, die auf der Ebene des Fremdenverkehrs für Qualität sorgte, zugleich wurden ihre Codes aber auch als Instrumente für den Transport ideologischer Inhalte genützt.
Architekten aus München und dem süddeutschen Raum waren neben solchen aus Wien diejenigen, die Fachwissen im Bauwesen und künstlerisches Talent nach Südtirol transferierten und auf diesem Weg Orte und Landschaften prägten. Die Architekten-Brüder Alois (1872–1969) und Gustav (1876– 1952) Ludwig nahmen dabei einen besonderen Stellenwert ein, weil sie in einer Schwellenzeit der Regionalentwicklung zwischen ca. 1900 und 1914 an mehreren Orten Südtirols Bauwerke schufen, die sich als besonders haltbar erwiesen und die seit ihrer Errichtung in Funktion sind. Viele von ihnen stehen heute unter Denkmalschutz.
Die Bauten der Brüder charakterisiert ein „modernisierter Barock“, den sie mit Versatzstücken aus anderen Epochen und nicht zuletzt zeitgenössischen künstlerischen Elementen versahen. Zudem griffen sie innovative Materialien wie Beton oder technische Errungenschaften wie Elektrizität auf.
Bettina Schlorhaufer
Im nächsten Monat geht es weiter mit neuen Einblicken zum Thema: