IV - Die Brüder Ludwig in Bozen

Ausstellung im Foyer "Architektur auf Reisen"

06/07/2026 - 08/11/2026 Architektur auf Reisen
Touriseum

Eine Stadt verändert ihr Gesicht.

Als die Brüder Ludwig in Bozen aktiv wurden, setzten sie in ihrer Architekturproduktion bereits mehr auf den Münchner Barock-Kanon – wahrscheinlich, weil dieser den Vorstellungen ihrer Auftraggeber besser entsprach. Sie eröffneten die Zweigstelle ihres Büros um 1908, nachdem sie den Wettbewerb für den Bau der heutigen Grundschule und den Kindergarten in Gries für sich entschieden hatten (damals: Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsschule und Kindergarten, erbaut von 1908 bis 1910). 

In den Folgejahren entfalteten sie am Waltherplatz eine rege Bautätigkeit und beeinflussten damit sein heutiges Aussehen maßgeblich. Genaugenommen arbeiteten sie sich von der Laurinstraße, wo sie von 1909 bis 1911 das Hotel König Laurin errichteten, weiter zum Waltherplatz vor. Zwischen 1911 und 1914 verwirklichten sie ein Wohn- und Geschäftshaus (Bahnhofsallee 3), das Gebäude der Österreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe (Waltherplatz 8), den reizvollen „Terrassenbau mit Büroräumen“ und Kuppel beim Anwesen der Fürstin Campofranco (Waltherplatz 11) und den Umbau einer bestehende Schule zum heutigen Stadthotel/Hotel Cittá (Waltherplatz 21). Es ist bemerkenswert, dass der Waltherplatz schon damals zu den Stadträumen Bozens gehörte, denen es an deutschnationaler Symbolkraft nicht fehlte. 

Im 19. Jahrhundert hatte sich die auf Indizien basierte Annahme verbreitet, der große Lyriker Walther von der Vogelweide stamme aus Südtirol, möglicherweise aus der Gegend um Bozen. Das führte dazu, dass hier 1889 zu seinen Ehren ein Brunnen aus weißem Marmor aufgestellt wurde. Die Walther-Statue in der Mitte wurde ostentativ nach Süden gerichtet, um den Dichter als Verteidiger der in Bozen herrschenden „Germanness“ an der Grenze zum italienischen Kulturraum zu positionieren. 

Vor diesem Hintergrund ist die barockisierende Architektursprache, die durch die Brüder Ludwig auf den Waltherplatz gebracht wurde, als weiteres Zeichen für die Verbundenheit der Bozner mit dem Deutschtum zu sehen. Neben den Brüdern Ludwig wirkte noch ein weiterer bekannter Münchner Architekt in der Stadt. Es war der unter anderem auf den Bau von Schauspielhäusern spezialisierte Max Littmann (1862–1931), der mit Unterbrechungen während des Ersten Weltkriegs das heute nicht mehr existierende Bozner Stadttheater plante (Eröffnung: 1918). Die beruflichen Wege Littmanns kreuzten sich mit denen der Brüder Ludwig in München-Bogenhausen, wo deren Büros für eine großbürgerliche Klientel Wohnhäuser im Grünen erbauten. 

Bettina Schlorhaufer 

Im nächsten Monat geht es weiter mit neuen Einblicken zum Thema: 

Von München nach Meran